Plattfuß in Phnom Penh

Die Bud Spencer Fans können sich wieder hinsetzten. Es geht hier nicht um eine Fortsetzung der italienischen Prügelkomödien. 😉
Mittlerweile bin ich in der Hauptstadt angekommen. Auf dem Weg dorthin habe ich noch kurz in Kratie Zwischenhalt gemacht und mir die Irawadidelfine im Mekong angeschaut.

 

Mein 2. Tag in Phnom Penh begann dann etwas hektisch. Das Hotel, in dem ich wohne, beschäftigt drei Sicherheitsleute nur für die Bewachung der Fahrzeuge vor dem Hotel. Das ist hier anscheinend notwendig. Als ich am Morgen die Lobby des Hotels betrat, stürmte sofort die Security auf mich zu und rief: „Your motobike, your motobike“. Waaaaat? Bitte nicht!

Als ich vor dem Hotel stand, war zum Glück alles in bester Ordnung. Bis auf ein Detail. Meine Diva präsentierte einen ausgewachsenen Plattfuß an ihrem Hinterrad. Einwirkung roher Gewalt war nicht zuerkennen, also musste ich mir etwas eingefahren haben. Ich war nur froh, dass es hier, und nicht auf dem Höllenritt in den Osten passiert ist. So akut empfand ich das Problem nun auch nicht, um die geplante Runde über den Morning Market abzublasen.

Zurück vom Markt ging es gleich an die Arbeit. Hinterrad ausbauen und das nächste „Tuk Tuk“ entern. Mein Fahrziel bedurfte nicht vieler Worte und der Preis für Hin- und Rücktransport war auch schnell ausgehandelt. Gelandet bin ich am Ende bei einem der unzähligen Reifen- und Mofa-Dienstleister, die lediglich mit 2 Werkzeugkoffern und einem Kompressor auf dem Gehweg ihre Dienste anbieten. Keine Werkhalle, kein Unterstand, nichts. Aber, hier wird vom Reifen bis zum Motor alles repariert. Am Abend wird alles zusammengepackt – die gesamte Werkstatt passt auf ein Mofa – und nach Hause gefahren.
Vater und Sohn machten sich sofort an die Arbeit. Der Reifen war schneller von der Felge geholt, als ich dachte. Und während vom Senior noch nach der Ursache für den Plattfuß geforscht wurde, begann der Junior bereits das Loch im Schlauch zu vulkanisieren! Vollkommen abgefahren! Alles auf dem Gehweg. Da ich einen Ersatzschlauch dabei hatte, war der Reifen fertig montiert, bevor das Vulkanisieren abgeschlossen war. Ich habe mit einem Flicken a la Fahrradschlauch gerechnet, aber nicht damit. Nach ca. 25 Minuten war alles fertig, 2,50 US$ wechselten den Besitzer und nach etwas mehr als einer Stunde war die KTM wieder fahrbereit.

 

Ich bin nach wie vor überrascht, wie schnell sich hier Probleme lösen lassen. Vor allem die, auf den ersten Blick so improvisiert wirkenden Dienstleister an der Straße – ob Messerschleifer, Garküche oder Reifenflicker – entpuppen sich oft als absolute Meister ihres Handwerks. Schön!

Spätestens in Phnom Penh wird man durch Museen und Denkmäler von der jüngeren Geschichte Kambodschas eingeholt. Während der Schreckensherrschaft der Roten Khmer gingen die Kambodschaner einmal durch die Hölle und zurück. Das Regime unter der Führung von Pol Pot wollte das Land in einen Bauern dominierten Agrarkommunismus überführen. Die Bevölkerung wurde von den Großstädten auf das Land zwangsumgesiedelt und Intellektuelle systematisch ermordet. Beruf: Lehrer, Arzt oder Rechtsanwalt, eine Brille tragen, oder eine Fremdsprache beherrschen, war Grund genug für Deportation und den Tod. Drei Jahre und acht Monate (1975 -1979) regierten die Roten Khmer. Der Genozid kostete 1,7 Mio. Kambodschanern das Leben!

 

Neben Reifenservice und Sightseeing standen auch Besuche bei den Botschaften von Pakistan und China an. Das Problem mit dem Visum für Pakistan ist Folgendes. Die Richtlinie für die Botschaften von Pakistan besagt, dass nur die Einwohner des entsprechenden Landes und Ausländer mit einer gültigen Aufenthaltserlaubnis, für dieses Land, ein Visum für Pakistan bekommen können. Mein Visum für Kambodscha ist aber keine Aufenthaltserlaubnis in diesem Kontext. Kurz um, nur Kambodschaner und Ausländer mit einer Langzeitaufenthaltserlaubnis bekommen ein Visum. In Deutschland eben nur die Deutschen und Ausländer mit oben genanntem Papier. Hmm… Nun gilt so ein Visum aber nur 3 Monate. Deshalb wäre es für mich sinnlos gewesen, Selbiges im Dezember in Berlin zu beantragen. Dem wirklich bemühten Botschaftsmitarbeiter war ziemlich schnell klar, dass mich diese Regelung ganz schön ausbremst. Ich sollte den Antrag ausfüllen und er wollte mit seinem Vorgesetzten eine Lösung finden. Das hat leider nicht geklappt. Drei Tage tägliches Vorsprechen für die Katz. Den nächsten Versuch werde ich nun in Bangkok starten.
In der Botschaft von China lief es genau umgekehrt. Sehr unfreundliche Mitarbeiter aber mein Instant-Visum hatte ich nach einer halben Stunde.

 

Nach fünf Tagen in Phnom Penh wird es Zeit. Die nächste Station ist nun Angkor Wat.

Ride on!
icke

3 Gedanken zu „Plattfuß in Phnom Penh

  1. Hi Frank,

    hat die KTM serienmäßig einen Schlauch oder hast du den nachgerüstet?

    Gruß Thomas

    P.S.: So’ne Werkstatt hätte ich auch gerne, vor allem bei dem Preis 😉

    1. Moin,
      der Schlauch muss sein. Die Felge hat ja Löcher für die Aufnahme der Speichen. Soweit ich weiß, baut nur BWM und Moto Guzzi schlauchlose Speichenräder. Dort werden die Speichen an den Außenkanten der Felge befestigt. Meine einzige Modifikation war ein verstärkter (dickerer) Schlauch. Dadurch war es zum Glück „nur“ ein schleichender Plattfuß.

      Viele Grüße
      Frank

  2. Hallo Frank,
    neugierig wie ich bin, habe ich gegoogelt und dich hier gefunden… und natürlich schmunzelnd deine interessanten Reiseberichte gelesen. Asien ist schon faszinierend!!!! Wünsche Dir viel nette Erlebnisse weiterhin – Angkor Wat wird dir gefallen, ist wirklich sehr beeindruckend.Ist bei mir aber schon eine Weile her, hoffentlich verlaufen sich in der Zwischenzeit nicht zu viele Reisegruppen dorthin.

    Liebe Grüße, Jacqueline

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