Angkor oder Waaaaat?

Lara Croft is calling und ich bin ihr prompt gefolgt. Was soll man über Angkor und seine Tempelanlagen schreiben? Das 8. Weltwunder, Nationalheiligtum von Kambodscha, das größte religiöse Monument der Welt, touristisch völlig überlaufen und Weltkulturerbe sowieso. Das beschreibt erst einmal nur einen Tempel – Angkor Wat. Die über 180 weiteren Tempel auf dem riesigen Gelände verdienen ähnlich ausschweifende Superlative. Sich kurzzufassen, ist eigentlich nicht möglich. Ich tue es trotzdem.

Das Basislager für alle Besucher von Angkor ist Siem Reap. Die Stadt schmückt sich seit Neuestem damit, dass sie mehr Hotels als Angkor Tempel besitzt. Das ist für eine so kleine Stadt schon eine Leistung. Die Bandbreite reicht vom 5-Sterne Luxus-Hotel bis zum einfachen Zimmer. Die damit verbundenen Auswüchse des Massentourismus sind unvermeidlich. Dafür gab es die beste Internetleitung in ganz Kambodscha und ich konnte endlich all meine Fotos synchronisieren.

Ganz am Anfang stand für mich die Frage nach dem geeigneten Verkehrsmittel für die Tempel-Tour. Der „Grand Circuit“ ist über 37 Km lang und umfasst die wichtigsten Tempel von Angkor. Zur Auswahl stand die Tuk-Tuk-Mafia, das eigene Motorrad oder ein Leihrad. Ich habe mich für die Ökotour per Fahrrad entschieden. Bei 35 Grad und praller Sonne zweifelt man allerdings ziemlich schnell an seinen hehren Zielen, der körperlichen Ertüchtigung und dem Umweltschutz.

Die Tempelanlagen von Angkor sind zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert entstanden und Teil der damaligen Hauptstadt des Khmer-Reiches. Genauer gesagt hat jeder Herrscher in dieser Epoche immer wieder eine neue und größere Hauptstadt errichtet und diese mit diversen Tempeln geschmückt. In und um Angkor haben, zum Höhepunkt des Khmer-Imperiums, über 1 Million Menschen gelebt. Zur gleichen Zeit war London eine Kleinstadt mit 50.000 Einwohnern! Neben der Architektur der Tempel hat mich vor allem die „Stadtplanung“ beeindruckt. Es existierte eine Frisch- und Abwasserentsorgung und mehrere künstliche Wasserbassins. Diese dienten zum Schutz vor Überflutungen in der Regenzeit und zur Wasserversorgung der Reisfelder in der Trockenzeit. Das größte Reservoir ist  24 Km² groß und heute noch erhalten. Bis auf die Tempel, sie sind aus Sandstein, waren alle weltlichen Bauwerke, einschließlich des Königspalasts, aus Holz. Davon ist heute nichts mehr erhalten.

Was ist denn nun mit Angkor Wat? Groß ist er und schon beeindruckend. Er ist DAS Symbol von Kambodscha! Aber nicht mein Favorit. Ich bin von der angrenzenden Tempelstadt Angkor Thom und dem Bayon Tempel in ihrem Zentrum, viel mehr eingenommen. Die „Stadt“ liegt nördlich von Angkor Wat, ist von einem Wassergraben umgeben und besitzt 4 Stadttore. Beim Anblick dieser, denkt man erst einmal unweigerlich an Lara. Und dann dieser Bayon Tempel. Er hatte einmal 54 Türme mit je 4 lächelnden, bis zu 7 Meter hohen Gesichtern des „Lokeshvara“, dem Herrscher der Welt. Für mich eines der schönsten Bauwerke von Angkor. Angkor Thom hat natürlich nicht nur Bayon zu bieten. Auch hier stehen mehrere andere Großtempel, schon fast inflationär, in der Botanik herum. Und dann diese Reliefs und Verzierungen an den Tempeln. Sie sind allein schon Grund genug für eine Reise nach Angkor. Alle Bauwerke sind reichlich damit versehen. Eigentlich gibt es kaum unbehauene Flächen an den Tempeln. Große Schlachten, die Geschichte der Khmer, Götter – alles wurde für die Ewigkeit in Stein gemeißelt.

Außerhalb von Angkor Thom, in Richtung Osten, geht es weiter. Tempel, Tempel, Tempel. Rauf aufs Fahrrad, einen Kilometer fahren, absteigen, Tempel besichtigen. Das habe ich zwei Tage so zelebriert. Dann war die Luft raus. Genug von all den Tempeln. Man kann hier locker eine ganze Woche auf Tempeltour gehen, ohne etwas zweimal zusehen. Und diese geballte Ladung macht Angkor so beeindruckend. Es ist eben nicht nur Angkor Wat.

 

 

Und nun? Jetzt ist es Zeit für die Südküste. Der Strand hat zwar keine Palmen, dafür reicht das WLAN bis zur letzten Freischwimmerboje. Infrastruktur statt Kitschpanorama! Die Wassertemperatur liegt bei 30 Grad – und das ist gut so. Ein Grad kälter und ich halte keinen Zeh mehr in die kalte Brühe. Die nächsten 5 Tage werden mit Lesen, Baden, Nichtstun und Seafood mampfen verbracht. Endlich Urlaub! Das wurde auch langsam Zeit, wie ich finde…

Viele Grüße
icke

4 Gedanken zu „Angkor oder Waaaaat?

  1. Hi Frankie,

    liebe Grüße von den Ex-Kiwis. Sind wieder in Shanghai und in freudiger Erwartung Deines baldigen Besuches 🙂
    Wir haben Angkor Wat genauso empfunden wir Du – das Highlight war nicht der größte Tempel, dafür die kleineren, versteckten bzw. die gesamte Anlage an sich.
    Weilst Du jetzt in Shanoukville? In jedem Fall laß es Dir gut gehen und bis bald! Wir freuen uns auf Dich!
    Viele Grüße, S+C+T+S

  2. Wunderbar,
    dein Blog entpuppt sich zu meiner Therapie – Endlich mal abschalten. Sehr schöne Fotos und Videos – das nimmt langsam Heinz Sielmann Züge an. Weiter so!

    Oliver

    PS: Wie wäre es mal wieder mit 1-2 Fotos von Dir?

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