Vom Indus-Tal nach Islamabad

Um es gleich vorwegzusagen, auf einer Reise durch Pakistan kann man Islamabad getrost auslassen. Die Stadt wurde auf dem Reißbrett entworfen und Mitte des letzten Jahrhunderts gebaut. Quadratisch, praktisch, gut, steht sie da, hat null Charme und natürlich keine Historie. Die Straßen sind durchnummeriert und es gibt die eine oder andere Avenue. Wenigstens ist dadurch die Orientierung relativ einfach. Eine Sehenswürdigkeit gibt es aber dennoch. Eine der größten Moscheen Asiens steht in Islamabad.

Die „Shah Faisal Moschee“ wurde 1986 fertiggestellt und ist eine Mischung aus ultramoderner und traditioneller Architektur und auf jeden Fall einen Besuch wert. Das war‘s. Sonst fällt mir zu dieser Stadt nichts mehr ein. Dafür war der Weg in diese Stadt umso schöner.

Auf dem Rückweg von Karimabad habe ich den KKH verlassen und bin in das Indus-Tal abgebogen. Die Straße schlängelt sich, einspurig, durch enge Schluchten auf  170 km an der Felswand entlang bis zum Skardu-Valley. Skardu war für mich Rast- und Umkehrpunkt in einem.

Die Straße führt zwar noch weiter immer tiefer in die Berge aber die Zeit wurde langsam reif für den Süden. In meinem Hotel traf ich auf eine Gruppe südkoreanischer Bergsteiger. Sie haben letzte Vorbereitungen für ihre 65-tägige Gipfelexpedition getroffen. Gleich zwei Achttausender sollen kurz nacheinander bestiegen werden. Gasherbrum I (8080 m) und Gasherbrum II (8034). Beide stehen in Sichtweite zum K2 (8611 m). Es war sehr interessant zu sehen, was da so alles auf den Berg geschleppt wird. Abgesehen von den Unmengen an Lebensmitteln für 15 Personen, durften die Solarpanels und ein Stromgenerator auch nicht fehlen. Das Schöne an solchen Tälern ist der Umstand, dass man sie nur auf dem gleichen Weg wieder verlassen kann. Der Weg mag der Gleiche sein, die Perspektive auf die Landschaft ist aber komplett anders und wird nie langweilig.

In Islamabad habe ich die Zeit genutzt, um meinen Weg nach Quetta zu planen. Quetta ist die Hauptstadt der Provinz Belutschistan – der unsichersten Region überhaupt in ganz Pakistan. An Belutschistan führt aber kein Weg vorbei, wenn man in den Iran möchte. Und an Quetta eigentlich auch nicht, da man hier seine Sondergenehmigung (inkl. Eskorte) für die Passage Quetta-Iran beantragen muss. Soviel zur Ausgangslage. Also habe ich mir eine schöne Strecke nach Quetta auf der Karte ausgesucht und bin damit zur pakistanischen Tourismus Organisation gegangen. Hier wurde mir bestätigt, dass an der gewählten Strecke nichts auszusetzen sei, ich aber lieber noch einmal die Polizei fragen sollte. Also bin ich zur Polizei getapert und habe dort das Gleiche gehört, nur mit dem Unterschied, dass ich besser noch die Sicherheitspolizei befragen sollte. Na gut, „Safety First“ und ab zur Sicherheitspolizei. Auch diese fanden meine Route spannend und hatten keine Einwände.

 

Sehr schön. Also ging es am nächsten Tag wieder auf die Piste. Erst ein Stück nach Westen und dann immer auf dem Indus-Highway in Richtung Süden durch die North-West Frontier Provice. In dieser Provinz bin ich nie angekommen. Gesehen habe ich sie wohl, nur befahren nie. Sie gehört neben Belutschistan auch zu den gefährlichen Regionen. Das wissen anscheinen alle in Pakistan. Nur dem Tourismusverband, der Polizei und der Sicherheitspolizei muss dieser Fakt völlig neu und unbekannt sein. Wie auch immer, nach 150 km öffnete sich der Schlagbaum am Polizeiposten für mich nicht. Ich müsse zurück nach Islamabad und eine Genehmigung einholen – aber einen Tee hätten sie für mich. Den habe ich abgelehnt. So!

Zurück in Islamabad bin ich erst mal zur deutschen Botschaft gegangen und habe dort um Rat gefragt, wer in Pakistan für die Sicherheit der Ausländer zuständig ist. Dort wurde mir eine Abteilung des Innenministeriums genannt und eine „sichere“ Strecke nach Quetta. Leider ist diese Strecke auch die Längste. Es ist quasi der größtmögliche Umweg, um nach Quetta zu gelangen. 1500 km statt der direkten 700 km. Zum Innenministerium bin ich dennoch gegangen. Ich wollte irgendeinen Zettel von denen haben, um zu verhindern, dass ich 1000 km von Islamabad entfernt wieder von einem Polizeiposten an der Weiterfahrt gehindert werden. Nach langem Hin und Her habe ich den auch sofort bekommen und nicht erst nach drei Werktagen. So nervig, wie diese Erlebnisse auch sind, es dient der eigenen Sicherheit. Die Polizeiposten werden mich nicht aus Jux an der Weiterfahrt gehindert haben. Nun geht es also auf einer Ehrenrunde durch das halbe Land nach Quetta.

Viel erfreulicher ist die Tatsache, dass das pakistanische Fernsehen alle Spiele der EM überträgt. Unglaublich! Das interessiert doch hier eigentlich keinen – alle wollen nur Cricket sehen. Die Einschaltquote müsste so bei 20 liegen, nicht Prozent sondern in absoluten Zahlen. So viele Touristen gibt es hier leider auch nicht.

Kick on!
icke

2 Gedanken zu „Vom Indus-Tal nach Islamabad

  1. Hi Frank,

    ich hoffe Du bekommst beim Fußball schaun auch ein schönes Steak vom Grill……schön mit Bier abgelöscht…..:-).

    Viele Grüße Katrin und Thilo

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