Der lange Weg nach Taftan

Na ja, zuallererst musste ich es von Islamabad nach Quetta schaffen. Die 1500 km habe ich in drei Etappen runtergerissen. Zentralpakistan ist unglaublich heiß, flach und landschaftlich nicht sehr abwechslungsreich. Und mein Hintern schmerzt immer noch. Ich habe übrigens einen Motorradfahrenden Kollegen, der darüber nur lachen wird. Nach einem späten Frühstück in Berlin trinkt er bei Sonnenuntergang einen Mokka am Bosporus. Jedenfalls kommt es mir so vor. Und von Schmerzen im Hintern habe ich ihn auch noch nie reden hören. Keine Ahnung, wie er das macht. Aber zurück zum Thema.

Die letzten 300 km verliefen bereits quer durch Belutschistan. Die Vegetation ist hier wüstenähnlich karg.

Kurz vor Quetta wird es bergig und die Strecke führt über den Bolan-Pass durch eine unwirkliche Landschaft, in der sich grüne Oasen mit Gebieten von absoluter Null-Vegetation abwechselten. Sehr schön! Am Ortseingang von Quetta wurde ich von einem Polizei-Pickup gestoppt. Die Beamten waren ziemlich verwundert, warum ich hier so allein herumfahre. Wenn die es nicht wussten, ich wusste es erst recht nicht. Ich habe ihnen vorgeschlagen, bei ihrem Innenministerium nachzufragen. Jedenfalls ging es nun nur noch mit Eskorte weiter, die mich direkt bis zu meinem Hotel begleitete. Quetta ist eine Stadt im Ausnahmezustand. Das Bild wird von Polizei, Militär und Stacheldraht dominiert. Ausländer werden gebeten, ihr Hotel nach 18:00 Uhr nicht mehr zu verlassen bzw. nur noch mit Polizeieskorte. Also ein Ort, in dem man gerne Urlaub macht. Im Hotel traf ich auf Greg und Robert aus Neuseeland. Die beiden sind mit neuseeländischen Post-Mopeds (Postie-Bikes) auf dem Weg nach London unterwegs.

Weil Quetta so schön ist, habe ich mich am nächsten Tag sofort um meine Papiere für die Passage zur Grenze zum Iran gekümmert. Diese knapp 700 km zum Grenzort Taftan sind nur mit Polizeischutz befahrbar. Genauer gesagt konnte ich Quetta, in welche Richtung auch immer, nicht ohne eine Sondergenehmigung und Polizeischutz verlassen! Der Papierkram war schnell erledigt und am Folgetag war meine „Provision of Security“ fertig. Die Tour sollte am nächsten Morgen 9:00 Uhr im Konvoi mit einem eskortierten Linienbus starten. An meinem letzten Abend in Quetta trafen dann Sanne und Mark sowie zwei Jungs aus den Niederlanden im Hotel ein. Die Herberge entpuppte sich als ein richtiger Treffpunkt für Fernreisende. Sehr schön! Die beiden Holländer sind mit ihren Bikes auf dem Weg nach Australien.

Am Morgen meiner Abfahrt wurde ich 8:45 Uhr von der Polizei abgeholt und zum Treffpunkt mit dem besagten Linienbus gebracht. Dort wurde mir kurzerhand mitgeteilt, dass der Bus schon um 8 Uhr abgefahren sei! Herrlich, Organisation „Made in Pakistan“. Das war es dann für diesen Tag.

Eine exklusive Eskorte war nicht möglich und so bin ich ziemlich frustriert zum Hotel zurückgekehrt. Am nächsten Morgen sollte ein weiterer Versuch starten. In der Zwischenzeit haben die Aussis und die Jungs aus Neuseeland ihre Papiere ebenfalls erhalten. Damit war die Reisegruppe in Richtung Iran komplett. Wir wurden pünktlich für den 8:00 Uhr Bus abgeholt, der an diesem Tag allerdings erst um 9:30 Uhr startete. Für dieses Chaos hatte ich nur noch ein Kopfschütteln übrig. Egal, lieber auf den Bus warten als einen weiteren Tag in Quetta verschwenden.

 

Die Strecke bis zur Grenze haben wir in zwei Tagen hinter uns gebracht. Bei einer unglaublichen Hitze ging es quer durch die Wüste. An unzähligen Checkposten mussten wir unsere persönlichen Daten in Bücher eintragen und mindestens genauso oft auf die Ablösung der Eskorten warten. Anstrengend! Aber, am späten Nachmittag des zweiten Tages, haben wir Taftan erreicht. Taftan ist ein staubiges Wüstennest. Hier gibt es neben einem Imbiss, einer Handvoll Händler und einem Hotel nichts weiter. Das Hotel war so schlecht, das wir kurzerhand beschlossen haben, auf dem Hof vom Zoll zu campen.

Die Jungs vom Zoll waren damit einverstanden, sie meinten ohnehin, dass dies der sicherste Platz in ganz Taftan sei. Irgendwann am Abend ist der Chef vom Zoll vorbeigekommen. Er wollte nur kurz die Gäste auf seinem Gelände begrüßen. Kurze Zeit später saßen wir in seinem Büro und haben den Papierkram für die Motorräder abgewickelt. Eine wirklich sehr freundliche Geste. Dadurch hatten wir bereits die halbe Miete der Grenzformalitäten erledigt und eine Menge Zeit gespart.

Wenn ich ehrlich bin, konnte mir nichts Besseres passieren, als von meiner ersten Eskorte versetzt zu werde. Denn trotz aller Widrigkeiten hatten wir alle eine Menge Spaß.

Ride on!
icke

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