Albtraum „Orient-Express“

Im Iran angekommen, mussten wir zwei weitere Tage mit Polizei-Eskorten überstehen. Der iranische Teil von Belutschistan ist angeblich ähnlich unsicher, wie sein Counterpart auf pakistanischer Seite. Leider ist die Polizei im Iran mit dieser Aufgabe komplett überfordert. Englisch? Fehlanzeige. Anschluss-Eskorte? Fehlanzeige. Stattdessen warten, warten, warten. Die beiden Tage waren einfach nur nervenaufreibend und sind hiermit ohne weiteren Kommentar abgehakt. Und dann machte auch noch Teammitglied Nr. 1 zicken!

Die ersten Stationen im Iran waren Zahedan und am zweiten Tag Bam. In Bam haben wir unsere Pässe von der Polizei wiederbekommen und konnten ab hier frei reisen. Und als wäre der Tag nicht schon anstrengend genug gewesen, verweigerte meine orange Diva, kurz vor Bam, strikt die Gasannahme. Im Leerlauf war alles im grünen Bereich, sobald ich anfahren wollte, spuckte und zickte das Gerät nur noch rum und es war ein Krampf überhaupt in Fahrt zukommen. Am Ortseingang Bam habe ich den Bock abgestellt. Die Suche nach einem Hotel musste ich den anderen vier überlassen. Ich wurde später abgeholt und konnte auf dem kürzesten Weg in die Herberge tuckern. Die Wartezeit wurde von mir zur Fehleranalyse genutzt, mit dem Ergebnis, dass es eigentlich nur die Benzinpumpe sein kann. Wieder mal eine Pumpe.

Im Hotel angekommen wurde umgehend mit dem Schrauben begonnen. Die Pumpe ist in der linken Tankhälfte verbaut. Also Tankhälfte abbauen, Benzin ablassen und Pumpe ausbauen und zerlegen. So! Der Benzinfilter sah zwar nicht mehr richtig frisch aus, aber verstopft war er nicht. Ich hätte ihn ja gerne gegen einen Neuen ersetzt, nur so zur Sicherheit. Aber dank meiner akribischen Reisevorbereitung hatte ich keinen Ersatzfilter dabei. Auch hierzu keinen weiteren Kommentar meinerseits. 🙂 Als ich alles wieder zusammengesetzt hatte, sagte die Pumpe keinen Mucks mehr und die Karre sprang überhaupt nicht mehr an. Anscheinend habe ich ein Händchen für Benzinpumpen. Das Tageslicht war auch weg und mir blieb nichts anderes übrig, als die Fehlersuche auf den nächsten Morgen zu verschieben. In der folgenden Nacht wurde ich von Albträumen geplagt. Einer handelte von einer langen, langen Zugfahrt von Teheran nach Istanbul mit der KTM im Gepäckwagen. In Istanbul befindet sich der nächste KTM-Service. Oh man, bitte nicht. Mit dem ersten Tageslicht begann ich, erneut zu werkeln. Und siehe da, das Massekabel der Pumpe war nicht an seinem Platz. Da war ich am Vorabend wohl etwas hektisch beim Zusammenbau. Kaum war das behoben, pumpte die Pumpe wieder und die Diva sprang sofort an. Eine Probefahrt zeigte, oh Wunder, eine perfekte Gasannahme war auch wieder zu verzeichnen. Warum, wieso, weshalb kann ich nicht sagen. Ich habe die Pumpe nur 2-mal auseinander und wieder zusammengebaut ohne die eigentliche Ursache des Problems zu finden – abgesehen von meinem selbst produzierten Fehler. Hm, bleibt nur zu hoffen, dass dieser Zustand anhält.

Nachdem das erledigt war, hieß es Klamotten packen und Abfahrt nach Kerman– zusammen mit den Kiwis. Sanne und Mark hatten sich als Tagesziel das 550 km entfernte Yazd gesetzt und waren bereits unterwegs. Was soll ich sagen, mit extrem geschmeidiger Gasannahme vom Hotelhof gefahren, denke ich so bei mir: Was eiert denn hier so? Ein kurzer Blick genügte – Plattfuß Nr. 5 am Hinterrad! Eingefahren, wahrscheinlich auf meiner Probefahrt oder auf dem Hotelhof, wer weiß das schon. Aus Neuseeland kam nur ein breites Grinsen gepaart mit einem Kopfschütteln. Zum Glück gibt es in ganz Asien für jeden Nagel auf der Straße auch eine kleine Reifenbude. So war auch hier die Nächste nur 100m entfernt. 20 Minuten später sind wir wirklich abgefahren und ohne weitere Zwischenfälle in Kerman angekommen. Noch irgendetwas in dieser Art hätte wahrscheinlich bei mir einen Pumpenschaden hervorgerufen!

Kerman war nur eine Zwischenstation. Das wird der Stadt zwar nicht gerecht, denn auch hier gibt es viel zu sehen. Wir wollten aber nur ein wenig chillen, mal über den Basar schlendern und sonst nichts tun. Greg und Robert sind nach zwei Tagen weitergezogen. Ich habe mir noch einen dritten Tag gegönnt und bin danach in Richtung Yazd aufgebrochen. Ab nun auf den Spuren der alten persischen Kultur. Und Yazd ist dafür ein guter Einstieg. Die Altstadt ist berühmt für ihre engen Gassen und die alten Lehmhäuser. Obwohl Yazd mitten in der Wüste liegt, ist die Stadt dennoch sehr grün. Das Wasser wird durch unterirdische Kanäle seit Urzeiten aus den umliegenden Bergen herantransportiert.

 

Und wie ist es sonst so im Iran? Die Gastfreundschaft ist auf jeden Fall umwerfend – hier wird nicht nur zum Tee eingeladen, sondern gleich zum gemeinsamen Essen mit der Familie. Generell werde ich hier von sehr vielen Leuten angesprochen. Auch wenn wir uns nicht immer verstehen, denn leider sprechen nur sehr wenige von ihnen Englisch, was schade ist. Trotzdem hat man das Gefühl, sehr willkommen zu sein. Und so Nebensächlichkeiten wie: 24h Strom am Tag, Trinkwasserqualität aus dem Wasserhahn, ein ausgezeichneter Straßenzustand und natürlich alle Spiele der EM live im Fernsehen, machen den Urlaub hier sehr angenehm.

Salam!
icke

6 Gedanken zu „Albtraum „Orient-Express“

  1. “Twenty years from now you will be more disappointed by the things that you didn’t do than by the ones you did do. So throw off the bowlines. Sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in your sails. Explore. Dream. Discover.”

    Mark Twain

  2. Das wunder von Bam: „Aufschrauben, zuschrauben, aufschrauben, zuschrauben … geht“ – Das erinnert mich an ähnliche Voodoo-Reparaturen meiner betagten Instrumente.
    Der ganze Bericht mit der Reparatur und dem Gefuddel etc. hat mich auch irgendwie sehr stark an die Zeit erinnert wo der Abstand zwischen uns noch in tausenden Millimetern statt Kilometern zu messen war. Das Gebastel mit Google-Maps und die ständigen Begleiter ‚immediate‘ & ‚partialSubmit‘ :D. Ich erkenne deutliche parallelen und Du bist durch diesem Bericht quasi temporär in unserem Büro auferstanden. Wenn Du jetzt noch das mit dem Schweben hinbekommst werden Plattfüße auch irrelevant.
    Ach ja, eine Frage noch: Was machen denn die Frauenschuhe vor Zimmer 9? GJ

    1. Herr Meiser! Schön mal wieder etwas von dir zu hören.
      Allerdings hat dein neuer Nickname den Spam-Assistenten nicht überstanden. 🙂

  3. Salam Frank,

    ich hoffe, dass es Dir gut geht und das Du weiterhin jede Menge Spaß hast.
    Ich habe leider letzte Zeit nicht mehr geschafft regelmäßig bei Dir im Blog reinzuschauen, obwohl dies immer sehr spannend und Interessant ist und jede Mange Spaß macht.
    Kürzlich hat mich Oliver darauf aufmerksam gemacht, dass Du jetzt im Iran angekommen bist. Daher bin ich wieder wach geworden. 🙂

    Ich hoffe, dass die anfangs Probleme nun allesamt weg sind und dass Du jetzt und absofort nur viel Spaß hast.
    Melde Dich ruhig wie besprochen, wenn Du mal da welche „außerirdische“ Hilfe brauchst. 😉
    Du weiß es ja selber, immer gern.

    Also, berichte bitte weiterhin und bleib brav und mach bitte da nur gute Erfahrungen. OK? ;-))

    Doroud & tchakeram *
    Mehrdad

    *Lass Dir das übersetzen 🙂

  4. Hi Frank,
    ich bin immer noch begeisterter Leser deines Blogs.Ich finde es faszinierend was du da alles beschreibst.
    Ich denke,wenn du wieder hier in Berlin bist solltest du dich um einen Verleger kümmern und daraus ein Buch pressen lassen!

    Beste Grüsse
    Silvio und das MiMa 🙂

  5. Hi Frank,
    ja auch wir haben uns von dem Schock gestern erholt ( EM-AUS)und sind jetzt voll im Urlaubsstress. Sonntag gehts los nach Kanada – ab in die weiten der Wälder und Berge — da können wir leider Deine Reise nicht weiter verfolgen ( vielleicht gibt es da aber auch schon am Baum 22291 ein Internetcafe 🙂 — schreib aber weiter so interessant, aber vergeß die Begegnungen mit dem Tieren nicht – auch wenns nur Ratten sind. Weiterhin viel Spass und tolle Begegnungen – die nächste Deiner Reisen geht bestimmt nach Australien – sag Bescheid :-).
    Viele Grüße Katrin und Thilo

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