Auf den Spuren von Xerxes & Co.

Um es gleich vorwegzunehmen, ich konnte meine Beta-Blocker wieder absetzen. Weder technische noch anderweitige Probleme raubten mir den Schlaf und trieben den Blutdruck in die Höhe. Also konnte ich mich voll und ganz auf das alte Persien konzentrieren. Und nun wurde es richtig alt. Mein Weg führte mich zu den Ruinen von Persepolis. Vor 2500 Jahren war Persepolis eine von 4 Residenzstädten und geistiges Zentrum im persischen Reich. Darius, Xerxes & Co. haben sie erbaut und unter anderem für Staatsempfänge genutzt. Und schon wenige Jahre später kam Alex und hat alles kaputtgemacht.

Ihren Höhepunkt hatte die Stadt um 400 v.u.Z. Nur 70 Jahre später hat Alexander der Große ihr einen Besuch mit seiner Armee abgestattet. Er raubte die Schatzkammer aus – immerhin benötigte er dafür ca. 3000 Kamele – und im Anschluss legte er Persepolis in Schutt und Asche. Die Ruinen versandeten und verschwanden von der Bildfläche. Ende der Geschichte. Erst um 1930 wurde die Stadt wiederentdeckt und ausgegraben. Nun muss ich sagen, es handelt sich wirklich „nur“ um Ruinen. Viel zu sehen ist nicht mehr vom alten Glanz. Nichtsdestotrotz war es sehr interessant und für mich ein absolutes Muss auf einer Tour durch den Iran. Mehr Informationen und einen virtuellen Rundgang durch die Stadt kann man unter www.Persepolis3d.com bekommen.

Nach Persepolis ging es weiter nach Esfahan im Zentraliran. Ich habe vorher hin und her überlegt, ob ich nicht noch nach Shiraz und runter zum Persischen Golf fahren sollte. Beides ist garantiert einen Besuch wert. Am Ende habe ich mich dagegen entschieden.

Der Blick auf den Kalender sagte ganz klar, dass ich mal langsam den Weg Richtung Westen finden sollte. Vorbei die Zeit des Rumbummelns! Die Fahrt nach Esfahan ging durch die Zagros Mountains. Eine wunderschöne Berglandschaft, geprägt von sanft ansteigenden Bergen, Steppen auf Hochebenen und Nomaden, die mit ihren Schafen durch die Landschaft ziehen. Ganz anders als die Alpen findet man hier keine schroffen Gipfel. Vielmehr hat man das Gefühl durch ein hügeliges Mittelgebirge zu fahren. Nur der Blick aufs GPS verrät, das die Fahrt auf fast 3000 m stattfindet. Sogar ein Skigebiet gibt es hier. Allerdings konnte ich nur drei Sessellifte und ein Hotel entdecken.

In Esfahan angekommen, galt es erst einmal ein Hotel zu finden. Je größer die Stadt, desto schwieriger die Orientierung, vor allem wenn man nur einen groben Stadtplan aus dem Reiseführer mit sich führt. Und so stand ich, nach Orientierung suchend, mitten im Zentrum am Straßenrand. Einen kurzen Augenblick später wurde mir, wie selbstverständlich, ein Softeis in die Hand gedrückt. Die Jungs vom benachbarten Eisladen haben ihre Schlange stehende Kundschaft einfach versetzt und wollten lieber dem verwirrt schauenden Ausländer helfen. Also Helm ab und ein Mango-Softeis genießen. Und was für eine Portion! So eine, die Kopfschmerzen bereitet, wenn sie zu schnell gegessen wird. Und das musste man, denn es war ja heiß. Dabei gab es gute Ratschläge für ein Hotel in der Nähe und die Kundschaft wartete immer noch brav in der Schlange. Gastfreundschaft „Made in Iran“. Das beschriebene Hotel habe ich zwar nicht gefunden, dafür aber ein anderes. Die KTM hatte einen Tiefgaragenplatz und ich einen Fernseher für das verdammte Halbfinale!

Esfahan ist eine sehr angenehme Stadt, mit vielen Grünflächen und einer Menge Historie. Berühmt ist sie für ihren „Naqsh-E Jahan Square“ – heute unter dem offiziellen Namen „Imam Square“ geführt – mit einer der schönsten Moscheen weltweit, der Imam Moschee. Das gesamte Areal gehört zum UNESCO-Welterbe und schmückt außerdem die 20.000 Rial Banknote. Also standen drei Tage Sightseeing und ärgern über das verkorkste Halbfinale an. Die Imam Moschee ist wirklich beeindruckend. Leider befinden sich im Innenhof sehr hässliche Sonnenschutzkonstruktionen, die zwar den Betenden vor zu viel Sonne schützen, aber auch jede Möglichkeit auf ein schönes Motiv verhindern.

Wer auf Handwerkskunst steht (Perserteppiche, Seidenteppiche, Keramik etc.) muss unbedingt nach Esfahan fahren. Nirgendwo im Iran habe ich eine größere Vielfallt dieser Läden gesehen. Und drei weitere Sachen sind mir aufgefallen, die allerdings auf das ganze Land zutreffen. Die Iraner stehen auf gute Schuhe, auf Speiseeis in jeglicher Form und sind Weltmeister im Picknicken. Die Anzahl der Schuhläden und Eisdielen in den Städten ist unbeschreiblich. Und das Eis ist wirklich gut. Ich habe ausführliche Testreihen durchgeführt. Ein Picknick wiederum wird immer und überall veranstaltet und bedarf keines besonderen Grundes. Ob unterwegs mit dem Auto am Straßenrand in der Wildnis oder in den vielen Parkanlagen der Städte. Eine Decke, eine Kanne Tee, etwas Essen und die Wasserpfeife sind anscheinend immer griffbereit. In der Zeit zwischen 14 Uhr und 17 Uhr sind ohnehin alle Läden geschlossen und die Leute verbringen die Zeit in den schattigen Parks. Das hat was.

 

Und was war sonst noch los? Nichts Weltbewegendendes. Das Reiseleben verlief, wie gesagt, in ruhigen Bahnen. Nach längerem Suchen habe ich ein anständiges Motorenöl für Teammitglied Nr. 1 gefunden und den fälligen Wechsel vorgenommen. Das war gar nicht so einfach, da die Öldosen komplett in Farsi beschriftet waren und die Händler wirklich kein Wort Englisch konnten und ich kein Wort Farsi.

Grüße aus dem Iran
icke

Ein Gedanke zu „Auf den Spuren von Xerxes & Co.

  1. Hi Frank,

    Deine Reiseberichte sind immer ein Genuss (nicht weil Du gerade aus dem Iran schreibst) sondern generell.
    Ich habe heute Mittag endlich mal bisschen Zeit gefunden und habe bei der Mittagspause alles nachgeholt, was ich bei Deinem Belog die letzte Zeit verpasst habe.

    Es ist einfach so herrlich unterhaltsam, informative und amüsant, wie Du es schreibst, dass ich dabei fast die ganze Zeit immer und immer wieder laut lachen müsste.
    Paar Minuten später in der Kaffeeküche fragten mich dann die Office Center Kolleginnen, ob ich bei mir im Büro grade ein Film (Komödie) angeschaut habe?! 

    Jedenfalls wünsche ich Dir weiterhin viel Spaß und unvergessliche Momente und Erfahrungen,….
    Pass auf Dich auf und schenke uns allen „Deinen Blog Fans“ bitte weitere schöne, informative und lustiger Momente und lass uns bitte bei Deiner Erfahrungen, Erlebnisse, .. Reise Momente teilnehmen, auch wenn leider so kurz und aus der Ferne. Herzlichen Dank!

    Bis Bald und schöne Grüße aus Düsseldorf
    Mehrdad

    P.S: melde Dich ruhig, wenn Du da etwas brauchst. Auch wenn Du jetzt mittelweile ein Überlebenskünstler geworden bist. 😉

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