Kleine Tourstatistik: Iran

Nach meinem Aufenthalt in Esfahan sollte es weiter in den Nordwesten, in Richtung Grenze zur Türkei gehen. Allerdings nicht ohne einen kleinen Schlenker durch die Berge Kurdistans zu machen.

Die Straße schlängelte sich auf einem Gebirgskamm an der Grenze zum Irak entlang und immer wieder kreuzten Ziegen- und Schafhirten mit ihren Herden meinen Weg. Was sofort auffällt, ist, dass die Kurden im Iran nicht gerade mit übergebührlicher Zuwendung aus Teheran bedacht werden. Die Straßen sind schlecht und der Rest der Infrastruktur lässt ebenfalls zuwünschen übrig. Stellenweise hatte ich das Gefühl in einem anderen Land zu sein. Das hat natürlich Gründe. Die Kurden sind Sunniten und die Machthaber in Teheran sind Schiiten. Die Kurden wollen einen souveränen Staat und lassen sich von den Mullahs aus der Hauptstadt nichts sagen. Aber Teheran bestimmt die Regeln des Spiels, und verteilt das Geld und das sieht man ganz deutlich.

Die letzte Station im Iran war Urmia. Hier habe ich mir noch einen Tag Pause gegönnt und an der KTM einen kurzen technischen Check durchgeführt. Der Grenzübertritt in die Türkei verlief dann absolut reibungslos und war nach einer Stunde erledigt.

Der Iran wird mir als ein Land mit einer wunderschönen Landschaft und einer grenzenlosen Gastfreundschaft in Erinnerung bleiben. Das sind die Lkw-Fahrer, die anhielten und ihre Hilfe anboten, wenn ich irgendwo im Nirgendwo am Straßenrand stand und einfach nur eine Pause gemacht habe. Das sind die Eisverkäufer in Esfahan und die vielen anderen herzlichen Gesten von völlig unbekannten Menschen. Das habe ich vorher so noch nicht erlebt.

Die Iraner lieben ihr Land und hassen ihre Regierung. Die Aussagen der Leute, mit denen ich gesprochen habe, gingen etwas auseinander. Die einen sagten mir, 60% der Iraner sind mit ihrer Regierung nicht zufrieden, die anderen meinten sogar, es seien 90%. Egal, wie hoch der Prozentsatz in Wahrheit liegt, es wird sich nicht viel ändern. Die letzten Wahlen haben es gezeigt. Das war leider auch eine oft gehörte Aussage.

Und dann tobt da täglich noch ein ganz anderer Kampf auf den Straßen: Teenager vs „Diktatur der Ayatollahs“. Die vorgeschriebene Kleiderordnung für Frauen stellt die Teenager und jungen Frauen immer wieder vor neue Herausforderungen. Denn hautenge Röhrenjeans und High Heels sind auch hier keine Fremdworte. Allerdings ist körperbetonte Kleidung absolut Tabu. Also wird zusätzlich eine Art Trenchcoat getragen, der bis über den Po reicht. Der monatliche Konsum an Make-up, Wimperntusche und Lippenstift wird in Kilogramm berechnet und steht dem Verbrauch eines durchschnittlichen europäischen Teenagers in nichts nach. Das farblich perfekt abgestimmte Kopftuch sitzt erfreulich locker und könnte stellenweise schon fast als Schal durchgehen. Das gibt den Blick auf die meistens sehr aufwendigen Frisuren frei. Sehr schön!  Aber egal wie liberal das Elternhaus oder der Ehemann auch sein mag, es existiert eine Instanz, die darüber steht – die Religionspolizei. Selbstbestimmung sieht anders aus.

Politik und Religion muss man soweit es geht ausblenden, wenn es um das Reisen an sich geht. Land, Leute und die unbekannte Kultur zählen und nichts anderes. Iran hat auf jeden Fall einen vorderen Platz auf meiner Hitliste eingenommen.

 

Gesamtkilometer Iran:3.748 km
Anzahl Tage:16
Anzahl Etappen:10
Längste Etappe:578 km
Kürzeste Etappe:46 km
Durchschnittlicher Benzinpreis:0,37 € / Liter
Durchschnittlicher Verbrauch:4,97 l / 100 km
Durchschnittliche Übernachtungskosten:18,30 € /Nacht
Teuerste Übernachtung (pro Doppelzimmer):Hamadan - Hotel Arian
– 29,50 €
Günstigste Übernachtung (pro Doppelzimmer):Bam - Akbar Tourist Guesthouse
- 9,50 €
Gesamtkilometer der Reise:23.888 km

 

 

Ride on!
icke

4 Gedanken zu „Kleine Tourstatistik: Iran

  1. Salve Frank, hast du Teheran und das Kaspische Meer absichtlich in deiner Route ausgespart?

    Viele Grüße und viel Freude in den Weiten der Türkei!

    1. Moin Oliver, genau so sieht es aus. Nach allem was ich gelesen habe, soll die Küste im Norden nicht so viel hergeben. Teheran steht ganz oben auf meiner Liste für eine zweite Stippvisite im Iran. Irgendwie hatte ich zu diesem Zeitpunkt keine Lust auf eine Megacity.

      Grüße aus Urfa
      Frank

  2. Hi icke,
    nach 420 Pedalkilometern mal ein lieber Gruß von deinem Motorrad fahrenden Kollegen + Anhang…..
    Dir und Teammitglied 1 noch eine schöne Zeit. Immer dran denken, Ihr habt noch viel Zeit. Tässchen Mocka am Brosporus und Abends Molle in Fhain 😉
    Übrigens wird sich unser Weg nicht kreuzen. Unser Teammitglied 2 (Biene) hat sich plötzlich und unerwartet eine Russlandallergie zugezogen und unser Weg wird zum Westkap führen.
    Kommt gut nach Hause!!!!!!
    Olle icke + Carola

  3. Hallo Frank,

    hah, du dachtest wohl schon wir verfolgen Dich nicht? Wir sind treue Leser und sind fast schon traurig, dass Du nicht mehr viele Kilometer vor Dir hast.
    Jetzt wo du in der Türkei bist, hoffe Ich Du meldest Dich mal bei Serdal. Wäre ja ein Traum wenn Du bei Ihm vorfahren würdest.

    Für Bulgarien hätte Ich noch einen Tip (wenn Du nicht durch Griechenland fährst). Google mal nach „Buzludzha“.

    Güle Güle,
    Oliver

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