Vom Vansee ans Meer

So! Ich denke, es ist langsam an der Zeit für ein paar Zeilen aus der Türkei.

Den ersten Stopp habe ich in Van, am gleichnamigen See, in Südoststanatolien eingelegt. Ich war von Van angenehm überrascht. Irgendwie habe ich mir die Stadt ganz anders vorgestellt – etwas konservativer vielleicht. Was mir begegnete, waren Frauen im Minirock, – zum Glück hatte ich eine Sonnenbrille auf – Shopping-Malls und Bars mit Livemusik. Ausgezeichnet!
Meine Überlegungen, wann ich das letzte Mal so kurze Röcke gesehen habe, führten zu keinem gesicherten Ergebnis. Knoten im Hirn – Information Overflow. Egal. Auf meiner To-do-Liste für Van standen nur zwei Punkte.

  • Kebab essen.
  • Schönes kühles Bier trinken.

Das sah nach einem stressfreien Abend aus. Und so kam es auch. Um ehrlich zu sein, habe ich diese recht überschaubare Liste gleich 3x abgearbeitet. Ich wollte ganz sicher gehen, nicht den besten Kebab und das frischeste Bier der Stadt zu verpassen. Ich muss dazusagen, die Kebabs gab es in verschiedenen Ausbaustufen und somit waren drei Stück keine unlösbare Aufgabe. Wer einmal in Van vorbeikommt, sollte unbedingt seinen Kebab-Hunger bei „Kebabistan“ stillen. Der Name ist Programm und es schmeckt wirklich sehr gut dort.
Während des zweiten Bieres habe ich das Thema „Miniröcke“ nochmals aufgegriffen. Thailand! Es muss in Thailand gewesen sein – verdammt lange her.

Nach diesem Einstieg nach Maß bin ich weiter nach Urfa gezogen. Urfa liegt zwischen Euphrat und Tigris in Nordmesopotamien. Der Geschichtsfan reibt sich bereits die Hände und wird unruhig auf dem Stuhl. Völlig zu Recht. Urfa liegt allerdings auch ziemlich dicht an der syrischen Grenze. Nun ist es nicht so, dass ich, nach Quetta und Belutschistan, jeden Monat ein anderes Krisengebiet zur Entspannung benötige. Es verhält sich vielmehr so, dass ich von einem Kollegen aus meinem letzten Projekt hierhin geschickt wurde. Fünf Highlights sollte er mir nennen, die ich auf einer Reise durch sein Heimatland auf keinen Fall verpassen darf. Urfa stand ganz oben! Auf der Fahrt dorthin habe ich mich bei einem Militärcheckpoint nochmals rückversichert, ob irgendwelche Gründe gegen einen Besuch von Urfa und der Region im Allgemeinen sprechen. Sinngemäß lautet die Antwort: „Wir befinden uns mit Syrien nicht im Kriegszustand und sie reisen durch ein freies Land. Genießen sie ihren Aufenthalt in Urfa.“ Das ist doch mal eine klare Ansage – auf nach Urfa!

Die Stadt ist sehr alt, geschichtsträchtig und seit Jahrhunderten ein wichtiger Pilgerort. Das Bild auf den Straßen ist geprägt von schattigen Teestuben, vor denen Männer Backgammon spielen und dem hektischen Treiben auf den Basaren. Zwei Tage habe ich hier verbracht und alte Moscheen besichtigt, den Geburtsplatz des Propheten Abraham angeschaut und bin über die Basare geschlendert. Ein sehr schönes Städtchen und auf jeden Fall ein Besuch wert.

 

Das nächste Ziel war Cappadocia in Zentralanatolien. Hier haben vor Millionen von Jahren Vulkanaktivitäten eine einmalige Landschaft geschaffen. In den Felsen aus relativ weichem Tuffstein haben sich über die Zeit natürliche Höhlen gebildet, die vom Menschen erweitert und als Wohnraum genutzt wurden. Das ganze Gebiet wurde vom 4. bis 11. Jahrhundert hauptsächlich von Christen besiedelt. Aus dieser Zeit stammen auch die Höhlenkirchen von Göreme, die von der UNESCO in das Weltkulturerbe Programm aufgenommen wurden. Göreme habe ich als Basislager auserwählt. Das kleine Dorf lebt ausschließlich vom Tourismus und ist ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen in die unzähligen Täler mit wunderschönen Felsformationen. Das Gebiet ist riesig. Ein weiteres Highlight sind die unterirdischen Städte in dieser Region. Sie wurden im 6. Jahrhundert zum Schutz vor Überfällen durch die Araber und Perser angelegt. Diese Städte haben bis zu 15.000 Menschen beherbergt. Es gab ein ausgeklügeltes Frischluftsystem, Wohn- und Arbeitsräume, Ställe, sowie ausreichend Platz für Lebensmittelvorräte. Die Menschen konnten dort mehrere Monate leben. Bei einem Besuch darf man nicht klaustrophobisch veranlagt sein. Es geht mehrere Etagen tief in den Berg und einige Gänge sind wirklich eng. Besonderen Spaß bereiteten mir Abschnitte, die nur im Entengang passierbar waren. Hier konnte man sich am besten den Schädel am Tuffstein aufschlagen. Allerdings haben diese Passagen wieder ordentlich eingeheizt. Die Durchschnittstemperatur liegt dort unten nur bei ca. 10 Grad Celsius.

 

Nach so viel Action war ich reif für ein paar Tage Badeurlaub. Mittelmeer, Sonne, Strand, Nichtstun – halt endlich mal Urlaub. Also ging es ab in den Süden in einen Ort namens Kizkalesi. Der wurde mir in meinem Hotel in Göreme empfohlen. Hier gibt es Sandstrand satt. Das Gebiet ist zwar touristisch gut erschlossen und besucht, allerdings nur von den Einheimischen. Der internationale Massentourismus startet anscheinend wirklich erst im 400 km entfernten Antalya. Was soll ich sagen… Das Hotel liegt direkt am Meer und hat eine wunderschöne Dachterrasse, auf der ich gerade sitze und diese Zeilen schreibe. An der Promenade reiht sich ein Restaurant an das Nächste und somit ist für genug Abwechslung in Sachen Seafood gesorgt. Vor mir im Wasser steht malerisch eine alte Festungsruine, die man als guter Schwimmer problemlos erreichen kann. Wenn man denn noch einen Funken Ausdauer in den Gliedern hat. Ich musste feststellen, dass 6 Monate Motorradfahren überhaupt nicht gut für Selbige ist. Man, man, man! Meine ersten Laufrunden im heimischen Park werde ich besser nachts absolvieren, damit mein Gehechel und Gejammer keinem auf die Nerven geht.

In diesem Sinne – run on!
icke

5 Gedanken zu „Vom Vansee ans Meer

  1. Sag doch nicht sowas, ich versuche immer jedem weis zu machen das Motorrad fahren furchtbar anstrengend sein kann und sehr wohl gut für die Kondition ist … 😉

    Gruß Thomas

  2. Hi Frank, das freut mich ja für Dich, dass Du es wieder in ein Minirockland geschafft hast… Und schon hast Du wieder unzüchtige Gedanken. Kannst Du bitte noch eine vergößerte Version des Bildes hochladen? Wir haben die malerische Alte nicht gesehen… In diesem Sinne: Rock-on – oder Rock-off, je nachdem… 🙂

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