Zurück in Europa…

Bevor ich dort aber ankam, ging es weiter an der Mittelmeerküste entlang.

Viele Kilometer habe ich am Tag nicht geschafft. Die Sonne brannte mit weitmehr als 40 Grad und kleine Badebuchten luden immer wieder zur Erfrischung ein. Anfangs überlegte ich ernsthaft, ob ich ein Handtuch benötige – am späten Nachmittag wäre ich am liebsten in voller Montur in die Fluten gesprungen. Eine Pension für die Nacht aufzutreiben, war nie ein Problem und am Abend lag fangfrischer Fisch auf dem Teller. Danach noch ein Stündchen aufs Meer starren… „Nüschtmachen“, kann ich doch immer noch am besten!

Dieses Lotterleben hätte von mir aus noch ein paar Wochen so weitergehen können. Das Ziel hieß aber Istanbul. Auf dem Weg dorthin wollte ich zwei Sehenswürdigkeiten nicht auslassen. Die Kalkterrassen von Pamukkale und die Ruinen von Pergamon.

Die Kalkterrassen sind eine der meistbesuchten Touristenattraktionen in der Türkei. Seit 1988 gehören sie zum UNESCO-Weltnaturerbeprogramm und drohten diesen Status Mitte der 90er Jahre wieder zu verlieren. Was ungezügelter Massentourismus anrichten kann, ist hier ganz gut beschrieben. Heute präsentieren sie sich fast wieder im alten, strahlend weißen Glanz. Die beste Gelegenheit für einen Besuch bietet sich am späten Nachmittag. Zu diesem Zeitpunkt sind die unzähligen Touristenbusse bereits wieder auf dem Rückweg und die Temperaturen gehen in den erträglichen Bereich zurück. Durch die Anlage bewegt man sich barfuß auf dem wasserüberspülten Kalkstein. Schöne Erfrischung! Leider sind im Zuge der Renaturierung nicht alle Terrassen permanent mit Wasser versorgt, wodurch wiedereinmal das eine oder andere Motiv verhindert wurde.

 

Meinen Besuch von Pergamon habe ich ebenfalls auf den späten Nachmittag verlegt. Nichtsdestotrotz war es irre heiß und, im Gegensatz zu Pamukkale, staubtrocken. Nun verhält es sich mit Pergamon ähnlich wie mit allen antiken Ruinen bzw. Ausgrabungsstätten. Viel zusehen gibt es eigentlich nicht – zumal das Sahnestück, der Pergamonaltar, in Berlin zu besichtigen ist. Aber gerade weil ich das Pergamonmuseum so schön finde, musste ich mir den Originalschauplatz einmal anschauen. Ganz nebenbei erwähnt, ist im Rahmen einer Sonderausstellung im Pergamonmuseum ein 360°-Panoramabild (25m x 100m) vom Künstler Yadegar Asisi zu sehen. Hingehen! Zwei Jahre haben die Recherchen gedauert, in denen Asisi immer wieder im selben kleinen Hotel abgestiegen ist, welches ich mir zufällig ebenfalls für meinen Aufenthalt ausgesucht habe. Wäre ich noch ein Teenie – und weiblich – dann hätte ich wahrscheinlich mit Kreischen reagiert. Doch so habe ich die Information des Hotelmanagers mit relativ kontrollierten Gefühlsregungen aufgenommen.

 

Auf Istanbul war ich schon sehr gespannt. Wenn man als Ortsunkundiger eine 13 Mio. Metropole mit dem eigenen Fahrzeug ansteuert, ist das immer wieder ein Abenteuer. In diesem Fall war mein Plan: erst einmal reinfahren und dann schauen, was passiert – vielleicht gibt es ja wieder ein Eis. Das gab es nicht.

Allerdings endete die mehrspurige Einfallstraße direkt an der Fähre über den Bosporus. Genauer gesagt, endete sie in einem riesigen Stau und viel, viel später stand ich auf der Fähre, die mich direkt in die Altstadt und nach Europa bringen sollte. Einfacher als gedacht. In Europa angekommen, blieb leider keine Zeit für Kniefall und den Boden küssen. Der Istanbuler Autofahrer ist in seiner Natur etwas indisch angehaucht und hat es generell immer sehr eilig. Also musste ich zusehen, dass ich von dem Boot runterkam. Ein Hotel war dann schnell gefunden. Die Blaue Moschee war in 2 Minuten erreichbar und unzählige Cafés und Restaurants lagen direkt vor der Hoteltür. Sightseeing in Istanbul macht Spaß! Die Sehenswürdigkeiten liegen dicht beieinander und dazwischen sitzt man im Café und schlürft einen Mokka oder stärkt sich mit einer Kleinigkeit aus der osmanischen Küche. Das ist übrigens auch während des Ramadans kein Problem. Also, wer bei den Planungen der nächsten Städtereise im Pro und Kontra zwischen Paris und Wanne-Eickel feststeckt, dem sei Istanbul wärmstens empfohlen – und allen anderen auch.

 

Nun war ich nicht ausschließlich zum Vergnügen hier. Bei ATAMoto gab es für Teammitglied Nr.1 einen kleinen Service. Eigentlich wollte ich gleich noch neue Reifen aufziehen lassen.

Allerdings hat mich Ahmet, der freundliche Chef, darauf hingewiesen, dass ich die italienischen Pneus in Griechenland für einen deutlich günstigeren Preis bekommen kann, da keine Einfuhrzölle anfallen. Verdammt, jetzt werde ich in der Türkei über die Vorteile der europäischen Freihandelszone aufgeklärt. Ich war wohl schon zulange raus. 😉 Während ich bei unzähligen Tassen Kaffee mit Ahmet übers Motorradfahren und die Welt geredet habe – mein Bock war längst fertig – tauchte ein weiterer Kunde mit derselben KTM auf (gleiches Baujahr und Modell). Diagnose: Wasserpumpenschaden nach ca. 45.000 km. Die Laufleistung kam mir sehr bekannt vor und Bilder aus Sitalpati blitzten in meinem Kopf auf.

 

Und nun ist die Türkei für mich auch schon wieder Vergangenheit. Schön war es! Der Spritpreis von durchschnittlich 1,90€ ist etwas gewöhnungsbedürftig. Gerade, wenn man aus dem Iran kommt, und dort mit einem Literpreis von 0,35€ verwöhnt wurde. Die Türkei war gleichzeitig auch das letzte Land auf meiner Reise, welches ich relativ „intensiv“ bereist habe. Die nächsten Wochen werde ich mich quer durch Südeuropa nach Lust, Laune und Wetterlage treiben lassen. Fast sieben Monate bin ich unterwegs und habe noch keinen einzigen Regentag auf dem Bock mitgemacht. Das soll auch so bleiben! 🙂

Gesamtkilometer Türkei:4.201 km
Anzahl Tage:19
Anzahl Etappen:11
Längste Etappe:637 km
Kürzeste Etappe:68 km
Durchschnittlicher Benzinpreis:1,91 € / Liter
Durchschnittlicher Verbrauch:5,48 l / 100 km
Durchschnittliche Übernachtungskosten:39,40 € /Nacht
Teuerste Übernachtung (pro Doppelzimmer):Istanbul- Lamp Hotel
– 65,-€
Günstigste Übernachtung (pro Doppelzimmer):Patara Beach- Pension Mehmend
- 19,50 €
Gesamtkilometer der Reise:28.089 km

 

 

Ride on!
icke

8 Gedanken zu „Zurück in Europa…

  1. Der Leucht-Schriftzug an den Minaretten der Blauen Moschee bedeutet wörtlich übersetzt: „Willkommen, Sultan der 11 Monate.“
    Gemeint ist der Fasten-Monat Ramadan, der als heiliger Monat im Islam gilt und im Volksmund auch als „Sultan“ der Monate bezeichnet wird. Diese und ähnliche Schriftzüge werden traditionell nur im Fasten-Monat Ramadan aufgehängt.

    1. Danke Serdal! Das kann so direkt in Wikipedia übernommen werden.
      G….. übersetzte es mir tatsächlich genau so – nur konnte ich damit nichts anfangen.

  2. uncle dearest my favourite,

    Ich presse the Like-Button!
    Die Bilder sind echt toll und ich freue mich, was nach über einem halben Jahr bei Dir noch an Wissen zu den Nachtaufnahmen hängen geblieben ist.
    Schön, dass Du schon in Europa bist und wir uns bald wieder sehen! und wurdest du nun eat-pray-love mäßig erleuchtet?
    Lieben Gruß aus dem sonnigen DD! Frettchen

  3. Das Fleisch ist schon fertig. Wir warten auf dich. Vielleicht schaffst du es ja zum nächsten Jahr bis zur Ostsee ;-). Uwe sagt immer wieder, dass er einmal das gleiche Motorrad hatte wie du und ich dir das schreiben soll. Wir vermissen dich alle ganz doll hier und hoffen du hast noch eine schöne Reise. Viele liebe Grüße deine Störtis 🙂

  4. Immer wieder ein Genuß, von Dir zu lesen und zu sehen. Wenn Dir in Deutschland erstmal der Sinn nach ein paar Verwöhneinheiten , mehr oder weniger sinnvollen Gesprächen und kulinarischen Experimenten ist, dann bist Du bei uns immer herzlichst willkommen. Eigentlich mußt Du kommen, denn kurz vor der Abreise warst Du ja auch da – so schließt sich der Kreis!

  5. Willkommen zurück im schönen Europa!
    Zum Bild ‚Kalk am Fuß‘ Frank…. Du wirst alt! 😉

    Und wie du siehst hast du nichts verpasst. Die Schulden werden immer höher und die Europäer immer ärmer. 🙂

    Beste Grüße
    Sille

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