Angekommen…

Also Diarrhoe, wie von Einigen vermutet, hat die Diva nicht! Dann würde ich mich nicht mehr draufsetzen. Es ist eher eine temporäre Inkontinenz – vielleicht die Aufregung, weil es bald nach Hause geht. Ich habe das Problem einmal näher untersucht. Als die Stelle freigelegt war, kam eigentlich nur noch die Hauptantriebswelle oder der Gangsensor infrage. Was so ein Moped alles besitzt. Einen Gangsensor. Egal. Weiterhin habe ich festgestellt, dass nur beim Abstellen auf dem Seitenständer diese Inkontinenz zu beobachten ist. Auf dem Hauptständer abgestellt, bleibt alles trocken. Das deutet, laut Informationen aus diversen Foren, stark auf den Gangsensor hin. Also die einfachste aller Möglichkeiten. Lösung: Ich parke nur noch auf dem Hauptständer. Da ich keinen Ölverlust messen kann, wird also auch im Betrieb nichts an die Umwelt abgegeben. Sehr schön!

In Kroatien angekommen, hatte ich drei Stationen auf der Liste: Dubrovnik, Split und den Nationalpark Plitvicer Seen. Leider habe ich die Hochsaison der Hochsaison abgefasst. Das Land war so voll von Touristen, ich hatte Glück, dass ich noch reingekommen bin. Dank der italienischen Generalferien im August und der direkten Nachbarschaft, ist Kroatien in diesem Monat fest in italienischer Hand. Die Hotelsuche war eine Qual. Nur zwei Übernachtungen? In Dubrovnik, an einem Wochenende in der Hochsaison? Ohne Reservierung? Mit einer Mischung aus Mitleid und Empörung wurde ich aus den Hotellobbys der Stadt begleitet. Irgendwo am Stadtrand habe ich doch noch eine Privatunterkunft gefunden. Und dies, zu einem Zeitpunkt, an dem ich die Stadt eigentlich schon abgehakt hatte und mein Gebrubbel unter dem Helm lauter wurde. Zum Glück! Denn die Altstadt von Dubrovnik ist eine der schönsten, wenn nicht sogar die Schönste, in ganz Kroatien.

 

Nach zwei Tagen Sightseeing in Dubrovnik bin ich nach Split aufgebrochen. Immer der Küstenstraße an der Adria folgend. Landschaftlich wirklich schön macht diese Straße aber nur außerhalb der Saison richtig Spaß. Es waren einfach zu viele Autos und Lkws unterwegs. In Split angekommen, hatte ich mich mental schon auf eine anstrengende Hotelsuche eingestellt. Berechtigt, wie sich herausstellte. Aber irgendwann war eine anständige Herberge gefunden. Nach dem Check-in kümmerte ich mich um mein Gepäck und die KTM. Als ich zurück in die Lobby kam, stand dort ein frisch gezapftes Bier für mich bereit. Die Schönheit hinter der Rezeption meinte nur: „Ich glaube, das ist jetzt das richtige Getränk nach einem langen und heißen Tag auf dem Motorrad.“ Oh, man! Eine Männerversteherin, besser gesagt, eine Motorradfahrerversteherin ist sie auch noch. Nach dem die Lähmung in meinem Sprachzentrum langsam nachließ – der Rest von meinem Hirn war noch nicht mit dem booten fertig –  hab ich sofort einen Heiratsantrag herausgestottert.  Sie hat sich etwas Bedenkzeit ausgebeten. Na gut, dann trinke ich jetzt erst mal das Bier.

Split war eine Enttäuschung, und dass nicht nur wegen der geplatzten Heiratspläne. Wenn man geradewegs aus Dubrovnik kommt, ist die Stadt nur lauwarmer Kaffee. Leider. Geplant waren auch hier zwei Tage Aufenthalt, allerdings hat mir der Stadtrundgang am Abend keinen Appetit auf mehr gemacht. Also ging es am nächsten Tag sofort weiter. Nach dem Gedrängel in den Städten freute ich mich auf ein paar Tage in der Natur. Die Plitvicer Seen liegen im Landesinneren und ich hatte die stille Hoffnung, hier auf weniger Touristen zu treffen. Das war ganz falsch. Der Nationalpark ist ein UNESCO-Weltnaturerbe und steht anscheinend auch bei vielen anderen Leuten auf der Liste. Die Seen sind kaskadenartig in einer Berglandschaft aus Karststein angeordnet. Natürliche Zuflüsse sorgen dafür, dass die Seen über Wasserfälle von einem zum anderen See überlaufen. Im Park bewegt man sich sehr oft auf schmalen Holzstegen durch die sumpfigen Wiesen und Wälder. An besonders fotogenen Wasserfällen war dann Schlange stehen auf dem Steg angesagt. Es gab natürlich auch Bereiche, in denen man ganz für sich allein durch die schöne Natur stapfen konnte. Insgesamt war es mir aber auch hier viel zu voll. Mein Fazit für Kroatien? Ein wunderschönes Land, was ich bestimmt noch einmal besuchen werde, allerdings nie wieder im Juli oder August.

 

Nach diesen zwei Tagen im Nationalpark musste ich raus aus Kroatien. Ich hatte keine Lust auf einen weiteren Hotelsuche-Marathon in einer anderen überfüllten Stadt. Das nächste Ziel hieß Wien. Mein letzter großer Städtetrip auf dieser Reise. Die Hofburg, Schloss Schönbrunn, der Wiener Prater und natürlich die berühmten Kaffeehäuser der Stadt habe ich in drei Tage entdeckt. Nein, das Sissi-Museum habe ich nicht besucht! Wien war die erste Stadt, in der ich mir ein Fahrrad fürs Sightseeing ausgeliehen habe. Die Stadt bietet sich wirklich dafür an. Es sind viele Fahrradwege vorhanden und der Straßenverkehr läuft sehr gemäßigt ab.

 

Nun war das ja eher ein Jungsurlaub, den ich hier gemacht habe, mit viel Motorradfahren und viel Staub und Dreck. Was eignet sich am besten für den Abschluss eines solchen Urlaubs? Richtig, eine Brauereibesichtigung. Also ging es weiter nach Pilsen in die Tschechische Republik. Wenn schon, denn schon, musste es die Pilsner Urquell Brauerei sein. Wirklich sehr interessant. Am Abend testete ich noch die Bierqualität in den örtlichen Schankhäusern und hatte auch dort keine Beanstandungen. Ab hier hieß es, langsam aber sicher den Weg nach Berlin zu finden. Quer durchs Frankenland, für einen Kurzbesuch bei der Familie, ging es weiter Richtung Norden durch den Thüringer Wald und den Harz, um am Freitagabend bei Freunden in Berlin anzukommen. Nach Kasslerbraten mit Sauerkraut und diversen lokalen Biersorten war ich ganz schnell wieder ein Berliner. Und am Samstag wurden die letzten Kilometer durch die Stadt unter die Räder genommen. Mit einer Mischung aus Freude und dem Gefühl – „Verdammt, wie konnten die acht Monate so schnell vergehen?“ – erreichte ich nach 33.334 km meinen Kiez und war am Ziel.

 

Kleine Tourstatistik: Balkan

Gesamtkilometer Balkan:3.537 km
Anzahl Tage:20
Anzahl Etappen:11
Längste Etappe:427 km
Kürzeste Etappe:117 km
Durchschnittlicher Benzinpreis:1,45 € / Liter
Durchschnittlicher Verbrauch:5,70 l / 100 km
Durchschnittliche Übernachtungskosten:34,60 € /Nacht
Teuerste Übernachtung (pro Doppelzimmer):Split (Kroatien) – 80,-€
Günstigste Übernachtung (pro Doppelzimmer):Berat (Albanien) - 15,50 €
Gesamtkilometer der Reise:31.626 km

 

Die große Tourstatistik folgt später…..

Ride on!
icke

10 Gedanken zu „Angekommen…

  1. Ich habe gerade durch die Wohnung gerufen: “Der kann ja zu schön schreiben”. Schade, dass Sie wieder zu Hause sind. Es war wirklich eine Freude, die Reiseberichte zu lesen und die Bilder zu genießen. Ich gehe davon aus, dass es bald einen Diavortrag in der URANIA geben wird. Bin gespannt auf das Buch unter dem Gabentisch der Nation. Hoffentlich starten Sie bald wieder eine neue Tour, damit es wieder neues “Futter gibt”. Gruß, Karlheinz Fromm.

  2. Es war großartig, lieber Frank, du hast uns (Karlheinz und mich) teilhaben lassen an einer beeindruckenden Reise, wofür wir uns ganz herzlich bedanken! Was mich am meisten fasziniert hat, war deine Courage, mit
    der du alles angegangen bist.
    Herzlich Willkommen in Berlin, es wird sicher nicht ganz einfach sein, sich wieder einzuleben!
    Mit ganz herzlichen Grüßen von

    Karlheinz u. Anke Fromm

  3. Nach so einer Tour ist ein bisschen Inkontinenz ja durchaus im Rahmen ;). Unnütze Teile gibt es an aktuellen Bikes in exorbitanten Ausmaß, natürlich sind das die Teile die dann auch prompt kaputt gehen. Bei meiner war es gerade die elektronische Wegfahrsperre, die war doofer weise der Meinung das Motorrad fahren als solches nicht not tut und das es daher auch keinen Grund gibt mit dem Motorrad zu fahren. Und natürlich ist das auch kein separates Teil sondern Bestandteil der Motorsteuerung. Da ist man richtig neidisch auf die Zuverlässigkeit von Team Mitglied Nr. 1 … 😉

    Gruß Thomas

    P.S.: Der Sprit Preis wird sich auf den letzen Metern bestimmt noch deutlich steigern 😉

  4. Soo Frank,
    es freut mich richtig, dass alles gut war und ist.
    Ich hätte ja zugerne in der Menschenmenge am Rande der Zielgeraden gestanden und gewunken. Naja, Du wohnst nach wie vor in der falschen Stadt 😉 :D.
    Zu letzten Mal im Blog für die Bankog-Berlin-Tour (da ich folgende Touren nicht ausschließe) schreibe ich:
    „Vor mir an der Rezeption steht eine malerische, männerverstehende Alte.“. Für mich immer noch einer der besten running gags dieses Blogs.
    Jetzt zur nächsten Tour…. Im Büro haben wir mal so angedacht, dass „Alaska-Patagonien“ auf jeden Fall auf der Route liegt, meine Spontanplanungen beziehen aber mittlerweile die Beringstraße mit ein, was dann zu folgendem Arbeitstitel führt: „Von Berlin nach Patagonien auf zwei Rädern“. Jedoch ist hier Eile geboten, wegen der globalen Erwärmung. Okay, wenn ich so drüber nachdenke, dauert es dann ja gar nicht mehr lange bis zu neuem Futter. Noch einmal 1000-Dank für viele Blogs, viele schöne Fotos, das Teilen Deiner Perspektive, viel Geschmunzel und Amusement! RIDE ON! GJ

  5. Hi Frank,
    Schön das Du wieder Da bist und noch schöner, dass es Dir gut geht.
    Ich freue mich Dich bald wieder zu sehen und einen größen Dank auch von mir, dass Du uns allen an deiner beeindruckenden Reise und so viele schöne und reale Eidrücke und Geschichten teilhaben gelassen hast. Besten Dank und beste Grüße
    Mehrdad

  6. Danke Frank,

    es ist schade, dass dieses Kapitel schon zu Ende geschrieben ist. Es waren 8 Monate voller Spannung und Spaß. Ich hoffe weitere folgen – die Erde ist ja noch groß und deine Kati noch ein Teenager 🙂

    Obwohl – ein Blog-Eintrag fehlt ja noch! „Deutschland“. Zugabe, ZUGABE! Z U G A B E!

    Grüße,
    Oliver

  7. Hey Frank, Willkommen zurück! Wassne Tour. Muss gestehen, dass ich noch nicht alle Blogeinträge gelesen hab, aber das werd ich noch! Hammerding und großartig, dass du das gemacht hast! Auf ein baldiges Wiedersehn. Holger Und Simone aus HH!

  8. Hi, Franki, schön, dass du gesund und fröhlich das Ziel deiner „Welt-Reise“ erreicht hast. Wir möchten uns ganz herzlich für die vielen schönen Erlebnisschilderungen, deine Fotos und Videos bedanken. Schade, dass wir künftig nicht mehr gespannt auf „neues Futter“ von Dir hoffen können – oder doch?`
    Wie hast Du Berlin nach so vielen Monaten empfunden? Nun, wir werden bestimmt mal etwas von Dir hören. Nochmals Dankeschön, dass wir an deiner 8-monatigen Reise teilhaben konnten.
    Sei ganz lieb gegrüßt von Carla und Klaus.

  9. Hallo Frank. Ich bin nur durch einen Zufall auf den Reisebericht gekommen. Wirklich schön geschrieben und sehr interessant zu lesen. Vielen dank und viele grüße aus Norwegen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.